seminare und workshops

Training des Irritiertseins

„Die Technik des Irritiertseins gegenüber landläufigen, selbstverständlichen`, niemals angezweifelten Vorgängen ist von der Wissenschaft sorgfältig aufgebaut worden und es besteht kein Grund, warum die Kunst diese so unendlich nützliche Haltung nicht übernehmen sollte.(B. Brecht) Wir üben wir uns im Auffällig finden, im Irritiertsein und Staunen. Wir nutzen den achtsamen Anfängergeist, die offene Wahrnehmung des Anderen, um das Eigene und Vertraute mit fremden Blick zu betrachten. Der sogenannte V-Effekt, der Verfremdungseffekt Bertolt Brechts, soll Anlass und Pate sein, das Irritiertsein in künstlerischen Handlungen und Begegnungen zu feiern.

Neben der Technik von Brecht unterstützen uns Übungen der Choreografin Meg Stuart und des Komponisten John Cage und bei der Suche nach dem Merkwürdigen, Widersprüchlichen und Sehenswerten. 


Die O-W Fragen

für Definition, Inspiration und Improvisation

Inspiriert von den sogenannten "W- Fragen", die sowohl von der Feuerwehr- als auch als Hilfestellung zur Arbeit an fiktiven "Figuren" verwendet werden, nutze ich die "O-W Fragen" als Möglichkeit, konkrete Handlungen - in der realen Situation der Darstellung- zu initiieren bzw. zu definieren. O-W steht für Ob, Wo, Wann, Wer, Wie, Was und Wozu - hilfreiche Fragen für jede theatrale/performative Handlung , die, in beliebiger Reihenfolge, Genauigkeit und Vollstandigkeit beantwortet, Aktionen /Reaktionen/Interaktionen 
inspirieren. 


funktion +beziehung 

Filter und Wege der Wahrnehmung 

Was nehme ich war und (wie) kann ich es beschreiben?

Wir probieren verschiedene Filter der Wahrnehmung, um Strukturen -auf verschiedenen Ebenen der Darstellung -erkennen und benennen zu können. 

Wir arbeiten mit Fokussierung und Reduktion, um die unendlichen Möglichkeiten scharf zu stellen und damit die spielerischen Möglichkeiten zu erweitern, auf eine Aktion, ein Angebot, ein Zeichen, eine Gegebenheit zu reagieren. Wir untersuchen Form, Funktion, Qualität und Beziehung der Agierenden und ihrer Handlungen innerhalb einer Szene, der Aufführung bzw. des Ensembles. 


was will ich und was will ich probieren 

Begleitendes Seminar zur freien Projektarbeit 


Wir lernen Taktiken und Praktiken kennen, die helfen können, die eigene künstlerische Fragestellung zu fokussieren und diese in ein Aufführungsformat zu überführen. Mit verschiedensten Techniken des Generierens, Sortierens und Entscheidens, die wir z.T. aus anderen Künsten entleihen, nähern wir uns, über die Definition der beteiligten Aspekte  (Anliegen, Arbeitsweise, Aufführungsformat, Fragestellung, Titel, Thema, These u.v.a.m.)  der Konzeption und Realisation eines Solo-Projektes, begleitet, unterstützt und im regelmäßigen Austausch mit den anderen Teilnehmer*innen.


lost & found in translation 

Übersetzung, Dokumentation, Notation von flüchtiger Kunst

Künstlerische Ideen, Momente, Ereignisse, fixieren, notieren zu wollen, ist keine neue Sehnsucht. Das Bedürfnis nach zeitloser Transportfähigkeit hat v.a. für die europäische Musik verschiedenste Formen von Notationen hervorgebracht, die sich als zeichenhafte Übersetzung etabliert haben. Wie sieht das in Theater, Performance und Tanz aus, in Arbeiten, die ausschließlich im Moment der Gleichzeitigkeit ihrer Hervorbringung und Rezeption bestehen? Auch hier gibt es z.t. sehr ausgefeilte Notationen, diese haben sich in der künstlerischen Praxis jedoch weit weniger durchsetzen können. Warum? Wir suchen nach interessanten wie praktikablen Formen der Dokumentation, Notation und Übersetzung, entwerfen eigene - und probieren bestehende Modelle aus,- testen ihr künstlerisches Potential und ihre interdisziplinäre Anwendbarkeit.


„ich zitiere“ 

Kopie, Aneignung und Zitat 

In diesem Seminar gilt es herauszufinden, was sich aus und in der Kunst anderer lernen lässt bzw. was die Handlung mit dem/der Handelnden macht, ob sich die Motivation einer Handlung durch ihre aneignende Nachahmung ergibt. Die bei Musiker_innen übliche Arbeitsform des "Raushörens" wird hier auf das Theater übertragen. Die Behauptung, dass die Ausführung einer äußeren/physischen/tatsächlichen Handlung nicht nur eine emotionale Wirkung, sondern auch eine kognitive Wirkung auf die Agierenden selbst hat, wird anhand nachahmenswerter Szenen überprüft. Besonders beeindruckende, verstörende oder/und unverständliche Arbeiten bzw. ihre Aufzeichnungen, werden möglichst exakt und unter offensivem Verzicht auf die eigene Interpretation nachgeahmt. Dabei beobachten wir, welche künstlerischen Entscheidungen bei diesem Prozess nötig werden, was uns bei Wahrnehmung, Analyse, Nachahmung hilft und welche Erkenntnisse und Erlebnisse diese scheinbar unkreative Form der Darstellung - in den Varianten Kopie, Aneignung und Zitat – bereithält.


sprechen als bewegung 

In diesem Workshop geht es darum, die u.a. von Rudolf von Laban formulierten "Antriebsqualitäten" der Bewegung, für die schauspielerische und stimmliche Arbeit zu nutzen.Dies geschieht, denkbar einfach, indem wir uns zunächst den von Laban vorgeschlagenen Parametern: Gewicht, Raum, Zeit und Fluss, widmen - und ausprobieren, wie der Fokus auf jeweils einen der Aspekte unsere körperlichen - bzw. stimmlich/sprachlichen Handlungen beeinflusst oder ändert. In der Folge spielen und experimentieren wir mit den verschiedensten Kombinationen bzw. Möglichkeiten der Schichtung bzw. Gegenüberstellung der [2-er und 3-er] "Antriebsqualitäten" innerhalb einer "Figur" und untersuchen die Wirkung auf das Spiel und dessen Rezeption.


heilende häuser 

Wir alle sind potentielle Patient*innen von Kranken-häusern 
und als solche nicht nur, der Kompetenz und Empathie des jeweiligen Personals, sondern auch der dortigen Architektur hilflos ausgeliefert. Wer diese Perspektive kennt, weiss, wie wenig heilsam die meisten dieser Orte gestaltet sind. Warum? Bzw. Warum nicht anders machen, Anders denken? 

Studierende der Medical School Hamburg und Studierende der Schule für Architektur und Innenarchitektur Detmold entwerfen im Dialog miteinander den utopischen Raum „Krankenhaus“ als Ort der Begegnung, der Heilung und Genesung, sie bauen Modelle der  "Heilenden Häuser", in denen sie Zuflucht suchen würden, in denen sie  gern arbeiten -, und Lebenszeit verbringen würden.